HanfBlatt Nr. 107
Das Internet hat sich zum Tummelplatz für allerhand Angebote rund um Cannabis
gemausert. Growtipps, Samenkauf, Rechtsberatung, Info-Newsletter: es existieren
Angebote zu Hauf, um sich um sein Hobby oder Geschäft zu kümmern.
Als Liebhaber der Hanfpflanze gilt es allerdings aufmerksam zu bleiben, obwohl
der im Netz übliche flotte Umgang mit dem Thema Normalität vorgaukelt.
Diese steht allerdings auf rechtlich schwammigen Boden. Im Surfalltag heißt
es für den Kiffer: Holzauge, sei wachsam, aber werde nicht paranoid.
Es ist schon kurios: In den deutsch- und englischsprachigen Grower-Foren diskutieren
weltweit zehntausende von Menschen die Zucht und Hege einer Pflanze, deren Kultivierung
meistens illegal ist. Das ist der Vorteil der Informationsfreiheit, über
Illegales Reden darf man, nur es tun halt nicht. Gerade von den Grower-Foren
kann angenommen werden, dass sie von gelangweilte Staatsbedienstete in unregelmäßigen
Abständen nach Hinweisen auf Zuchtanlagen durchforstet werden. 
Und da werden sie schnell fündig: Im Forum von grower.de sind über
15.000 Benutzer registriert, aktiv davon sind über 4.000. Bei hanfburg.
de waren am 4. November 2005 über 1.300 User gleichzeitig online, zusammen
mit den Unterforen sind seit der Eröffnung hunderttausende von Beiträgen
über alle möglichen Cannabis-Themen aufgelaufen. Natürlich hinterlässt
hier kein Grower seinen Realnamen und die Anschrift, aber es kursieren diverse
Bilder und Beschreibungen von Growrooms.
Es stellt sich zwangsläufig die Frage nach der Sicherheit.
Die Betreiber der Foren distanzieren sich in ihren Disclaimern von eventuellen
rechtswidrigen Inhalten und Postings und sind daher mehr oder weniger aus dem
Schneider. Sie müssen erst aktiv werden, wenn sie Kenntnis von illegalen
Verhalten in ihrem Forum erlangen. Dann sind sie verpflichtet, die entsprechenden
Mails zu löschen.
Für die User stellt sich die Rechtslage weitaus komplizierter da. Beschreibt
und illustriert er seine Anlage zu deutlich, dann könnte mancher Leser
nervös werden, bei einigen fetten Buds dürfte es den Fahndern logischerweise
in den Fingern jucken mal rauszukriegen, wo denn sowas Schönes wächst.
Noch unklüger dürfte es sein Stecklinge anzubieten. Darauf reagieren
nicht nur Beamte, sondern auch Forenbetreiber.
Wer 60 qm aufblühen lässt und damit im Forum hausieren geht handelt
grob fahrlässig. Denn sollte einem Beamten das Treiben zu bunt werden ist
folgendes Szenario denkbar: Auf den Computern eines Forenbetreibers lagern zusammen
mit den Beiträgen auch die IP-Adressen der Verfasser. Haben die Beamten
nun richtig Druck auf der Pumpe müssen sie ein Gericht finden, das den
Internet-Provider, aus dessen Fundus diese IP-Adresse stammt, dazu verdonnert,
die Kontaktdaten des zur IP-Adresse gehörigen Menschen rauszurücken.
Anders formuliert: Wer meint, sich über seinen AOL-Zugang an einer munteren
Diskussion über die großflächigen Anbau von Orange Bud beteiligen
zu müssen ist blauäugig, um nicht zu sagen: beschränkt.
Es gilt sich zu merken: Im Internet ist man nicht anonym, mehr noch, jede Aktion
hinterlässt Datenspuren auf dem eigenen Rechner und auf den weltweiten
Servern, die die Anfragen des eigenen Rechners beantworten. Jede E-Mail liegt
auf irgendeinem Zwischenrechner im Klartext, zu dem zum einen Techniker, zum
anderen auf gerichtliche Anordnung aber auch Staatsorgane Zugriff haben. Will
man wirklich nervös werden, muss man nur an Abhörsysteme wie das sagenumwobene
„Echelon“ der Geheimdienste denken, dass in dem Ruf steht, im Bedarfsfall
und jederzeit auch ohne richterliche Erlaubnis die Internet-Kommunikation abzuhören.
Der neueste Schrei auf dem Paranoikermarkt dürfte der BKA-Trojaner werden,
der, hat er sich erst einmal auf dem heimischen Rechner eingenistet, jeden Aktion
am Rechner nach Wiesbaden meldet.
Natürlich sind NSA, die anderen Schlapphüte und das BKA nicht an der
2-qm Box in Delmenhorst interessiert, erwähnt wird das aber hier, um die
technischen Möglichkeiten der vernetzten Welt aufzuzeigen.
Bisher kam es zu keiner Hausdurchsuchung nur wegen eines Forumsbeitrags. Daher
wird sich in den Foren oft damit beruhigt, dass „die Grünen“
keinen Aufwand treiben werden, wenn es sich nur um Growing für den Eigenbedarf
handelt. Das ist eine zu laxe Einstellung, gerade in den momentanen Zeiten,
die eher einer Verschärfung der Drogengesetze entgegeneilen. Die Forenbetreiber
haben das erkannt und rufen ihre Mitglieder zu mehr Sicherheitsbewusstsein auf.
Das HanfBlatt wäre nicht das HanfBlatt würde e s nicht eine Lösung
anbieten. Sie lautet: Ein abgestuftes Sicherheitskonzept entwickeln.
Stufe 1
Zunächst gilt es selbst bei Anfragen wie „Ich habe hier
ein kleines Stück Haschisch, welche Sorte ist das wohl?“, vor allem
aber bei Growing-Erlebnissen und Tipps anonym zu bleiben. Es gibt technische
Möglichkeiten, die verräterische IP-Adresse zu verschleiern und damit
sicher in Foren zu posten. Unter http://meineipadresse.de/ stehen diverse Links
zu Programmen bereit, die ein anonymes Surfen ermöglichen. Eine Testsektion
zeigt Vor- und Nachteile gewisser Verfahren. Die Grundregel sollte lauten: Je
höher das persönliche Risiko, umso besser sollten die Sicherheitsmaßnahmen
sein. Einfache Proxies reichen dann nicht mehr, selbst JAP, der anonyme Weiterleitungs-Server
der TU Dresden, muss im Zweifelsfall seine Daten rausrücken. Klüger
ist es da auf Verfahren wie TOR (tor.eff.org) zu setzen. Das verlangsamt zwar
die Surfgeschwindigkeit etwas, aber das ist der Preis der Sicherheit. Wer eine
Zucht sein Eigen nennt, der sollte sich mit solchen im Grund nur mit solchen
Anonymisierungstools in den einschlägigen Ecken im Netz wagen. Sollten
ein-zwei fürsprechende Leserbriefe eingehen, beschreiben wir in einem Artikel
gerne näher und für den Computerlaien verständlich, wie diese
Tools funktionieren.
Die Weitergabe der eigenen E-Mail-Adresse ist nur an vertrauenswürdige
Personen und Institutionen vorzunehmen. Und wer ist schon vertrauenswürdig,
außer Mutti? Inzwischen versuchen leider diverse Anbieter bei jeder Gelegenheit,
die E-Mail-Adresse des Nutzers oder Kunden einzusammeln. Mit Pech bedeutet das:
SPAM. Es ist ein Fehler in einem Forum seinen GMX- oder Freenet-Account zu benutzen,
vor allem, wenn bei diesem bei der Registrierung die korrekte eigene Heimatadresse
mit Postleitzahl und Telefonnummer angegeben wurde. Apropos: Einige Anbieter
bestehen bei der Registrierung auf eine gültige E-Mail-Adresse, an die
eine Bestätigungsmail geschickt wird. Für diesen Fall gibt es herrlich
sinnvolle Dienste im Netz, die E-Mail-Adressen zum Wegwerfen anbieten, beispielsweise
spamgourmet.com oder spambog.com. Von dort wird nur eine genau bestimmbare Anzahl
von Mails an den Original-Account weitergeleitet, alle weiteren versanden im
Datennirvana.
Stufe 2
Wer tatsächlich heikle Daten und Bilder auf seinem Rechner hortet, wie
beispielsweise das Bild der nackten Oma neben der blühenden Sativa, der
sollte die Festplatte gegen unbefugten Zugriff verschlüsseln. E-Mail-Kommunikation
mit Gesinnungsgenossen sollte ebenfalls nur verschlüsselt über die
Kanäle rauschen. Die meisten E-Mail Programme wie das schlechte, aber häufig
benutzte Outlook, das bessere Eudora oder The Bat, bieten mittlerweile Plugins
an, um das Alles relativ unkompliziert zu gestalten. Für beide Vorgänge,
die Festplatten- wie die E-Mail-Verschlüsselung, stehen der Klassiker PGP
oder das quelloffene GNU-PGP zu Verfügung.
Danach hilft es sich noch tiefer mit dem Rechner anzufreunden. Im Klartext:
Nutze Firefox statt dem Internet Explorer, schalte den Empfang von Cookies ab.
Aktiviere eine Firewall, notfalls reicht die interne von Windows. In einem nächsten
Schritt migriere auf Linux oder OS X.
Stufe 3
Was aber tun, wenn Realkontakt nötig ist, beispielsweise bei einer Samenbestellung?
In großen Abständen werden ausländische Samenhändler hochgenommen,
bei denen im Zweifelsfall deine Adresse lagert. Im Zusammenhang mit einem Händler
in Österreich kam es 2005 zu massiven Problemen, die deutsche Polizei lud
einige Besteller vor, es kaum zu Durchsuchungen. Inoffizielle Quellen sprechen
von mindestens 30 Vorladungen und 80 Hausdurchsuchungen in den deutschen Bundesländern.
Das sollte als Warnung ausreichen.
Wie einige Forenbetreiber die IP-Adressen ihrer Nutzer zügig entsorgen,
so gibt es mittlerweile auch Samenhändler, die mit Kundendaten vernünftig
umgehen und diese ebenso vor Zugriff schützen. Hierüber gilt es sich
zu informieren, bevor man säckeweise Samen oder Zubehör anliefern
lässt.
Insgesamt ist Sicherheit im Internet eine persönliche Angelegenheit, sich
dabei auf andere verlassen reicht nicht aus. Die Anforderung an das kluge Verhalten
im Netz steigt mit dem Wert des zu pflegenden Rechtsguts. Gerade bei Mengen-
und Quadratmeterangaben sollte Zurückhaltung herrschen. Wer ist noch nicht
wusste: Beamte sind auch Menschen. Sie beobachten die weiterhin wachsende Cannabis-Szene
und ihr variabler Schwellenwert ist sowohl von objektiven Rechtsgrundlagen wie
von subjektiven Schmerzgrenzen abhängig.
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