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DIE WELT Kompakt
Sanfte Anarchie
Es wirkt, als ob die engagierten Maler vorzeitig das Weite suchten, weil sie
nicht bezahlt wurden. Kein bemühter Chic, kein Kahnsinn, dafür Plaste&Elaste-Module,
die eine Körperhaltung zwischen Sitzen und Liegen erzwingen. Egal, es gibt
Knackig-kaltes Bier (und auch nicht viel mehr). Wochentags ist es mit einem Hauch
Atelier-Atmosphäre sehr gediegen, am Wochenende palavert die gedrängte
Menge oft noch lauter als die Musik spielt. Es ist dieser leichte Duft von Anarchie,
der die Favoritbar zu einer Erscheinung im Münchener Nachtleben macht.
Wenn es auch anders aussieht, der Abriss steht nicht bevor. Das freut, denn
hier ist das wohl angenehmste Asyl für alle Verweigerer von blonden Haarsträhnen
und Arschgeweihen.
Leider drückt der Türsteher neuerdings sein Ego in den sanften Flow
von Kommen und Gehen, aber das ist wohl nur eine Manöverübung für
die Wiesn. Oder hat man etwa selbst hier noch nichts von „Selbstorganisation“
gehört?
Das musikalische Konzept jedenfalls ist traumsicher: Verwegene DJs pendeln zwischen
60er Garage-Punk und lecker Electro. Verlassen kann man sich dabei auf gar Nichts,
aber es ist ja auch Feierabend.
Favoritbar
Damenstiftstraße 12
80331 München
Mo-So, 20.30 bis 2.00 h
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