Unter Hirndopern

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»Neuro-Enhancer« befriedigen die Arbeitswütigen

Erschienen in „Junge Welt“ v. 23.08.2017

Heute schon gedopt? Wahrscheinlich ja. Auf jeden Fall dann, wenn Sie zu den Kaffeetrinkern gehören. Koffein ist noch immer der Deutschen liebster Wachmacher und das populärste Fördermittel für die Konzentration. Seit einiger Zeit rücken jedoch neue Mittel ins Licht der Öffentlichkeit – Medikamente, die in dem Ruf stehen, Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit zu erhöhen. Die Rede ist vom „Neuro-“ oder „Cognitive Enhancement“, der Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit über das Normalmaß hinaus. Arzneimitteln wie Modafinil oder Ritalin wird nachgesagt, sie könnten den Geist auf Trab bringen. Einiges davon wurde bislang im wissenschaftlichen Versuch oder der Praxis bestätigt. Die pharmakologischen Helfer sind Zeichen einer veränderten Kultur des Drogenkonsums, die statt auf Ekstase und Entspannung auf Leistung und Durchhalten setzt.

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Renntag in Zandvoort

Bei einem Radrennen gab es vor einigen Jahren mal eine vergleichbare Adrenalineinfuhr. Aber dies hier ist stärker, wilder, irrer. Wir sind gerade mit ein paar Männern, die zu Jungs wurden, zwei Runden auf der alten Formel 1 Strecke im holländischen Zandvoort gefahren und springen mit Riesenaugen aus dem Porsche 911. „Hassu gesehen, ich so, du so!“ Wortfetzen, Schultergeklopfe, ich geil, du geil. Ein Instructor vorne weg, wir hinterher. Dran bleiben, nicht mehr als zwei Wagenlängen Abstand. Wahnsinn, bei der Geschwindigkeit. Die Kurven reißen am Körper, das Lenkrad will woanders hin, aber nach einer Runde will man schneller, mehr, besser sein. Ein Heidenspaß. Angst als kleiner Begleiter, vor der Kuppe weiß man nie, was dahinter liegt. Egal, rüber, der Magen an der Bauchdecke, keine Zeit nachzudenken, nächste Kurve, scharf bremsen, Kacke, das wäre schneller gegangen, nächstes Mal. Wir überholen langsamere BMW 1 Cup Fahrzeuge, ha ha! Morgens noch Regen, das fällt ins Wasser, schlechte Stimmung. Später trockene Fahrbahn, besser so. Nach der Mittagspause Umstieg in ein Formel 3 Fahrzeug.

Fomel 3 in Zandvoort

Fomel 3 in Zandvoort

 

Noch heftiger. Der Körper schlägt gegen das Chassis in der Kurve, ich habe Angst das Lenkrad zum Schalten loszulassen. Das Ding liegt wie in Brett auf dem Asphalt, wir kommen nicht ansatzweise in den kritischen Bereich. Später dann ein Lamborghini Gallardo, eine runter gerockte Karre mit Mordskrach, durch den Aston Martin geht bei jedem Schaltvorgang in Ruck durch das Fahrzeug.

Das Beste: Man braucht das nicht im Alltag zu haben, so ein Auto. Wozu auch, zum geradeaus fahren auf der Autobahn? Witzlos.

„Alcoholfree and sparkling“

On the History of Mate-Softdrinks in Germany

copyright by Achim Zubke/ Hamburg-Germany

Translation of a lecture held at the “Mate in Berlin”-symposion in the Brazilian Embassy in Berlin, 30.06.2017

In the last five years there has been a creativity boom on the German soft drinks market producing a large number of new caffeine-containing mate-lemonades and mate-iceteas.
At the beginning of 2017 more than 30 different suppliers with dozens of mate drinks were already on the German market. Natural ingredients, organic, fairtrade, solidarity and originality play an increasingly important role in the creation of new products. It is interesting in the context of this innovative wave to deal with the actual history of the mate drinks.

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„Alkoholfrei und spritzig“

Zur Geschichte der Mate-Brausen

copyright by Achim Zubke

Vortrag gehalten auf der Veranstaltung „Mate in Berlin“ am 30.6.17 in der brasilianischen Botschaft in Berlin

Seit etwa fünf Jahren gibt es im Rahmen eines Kreativitätsbooms bei der Herstellung von Limonaden eine Fülle an neuen koffeinhaltigen Mate-Brausen und Mate-Eistees.

Anfang 2017 sind bereits mehr als 30 verschiedene Anbieter mit Dutzenden von Mate-Getränken am Markt. Natürliche Zutaten, Bio, Fairtrade, Solidarität und Originalität spielen zunehmend eine Rolle bei der Kreation neuer Produkte. Es ist im Rahmen dieser innovativen Welle interessant, sich mit der tatsächlichen Geschichte der Mate-Brausen zu beschäftigen.

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Der Knaster-Mythos

Faserhanf (Cannabis sativa) wurde früher gelegentlich auf dem Lande, wie zahlreiche andere Kräuter auch, als Tabakersatz geraucht. Heinrich Marzell listet allein 40 hierfür genutzte Pflanzenarten in seinem „Neues illustriertes Kräuterbuch“ (1920/1935) auf. Dabei erwähnt er nicht einmal definitiv psychoaktive medizinische „Asthma-Kräuter“ wie den Stechapfel, an dessen gelegentlichem hedonistischen Gebrauch sich bis in die 1970er Jahre eine kleine experimentierfreudige Anhängerschaft erfreute, die sich entsprechende Zigaretten aus der Apotheke besorgte. Unter den „Asthma-Kräutern“ fand sich (bis zum Opiumgesetz von 1929) neben Tollkirsche, Bilsenkraut, Lobelie, Tee und Opium auch der tatsächlich psychoaktive aus Indien (und später von Sansibar) importierte „Indische Hanf“ (Cannabis indica, Wolfgang Siegel „Das Asthma“, 1912).

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Eigenwerbung: Erklären Sie Ihrer Website die Unabhängigkeit

das-wordpress-buch-von-elbnetzZusammen mit Thorsten Faltings von Elbnetz habe ich ein lockeres Einführungswerk in die Erstellung von Website mittels WordPress verfasst. WordPress ist das zur Zeit beliebteste Content Management System weltweit, ca. 30% aller Websites werden damit erstellt und betrieben. Auch joergo.de läuft mit WordPress.

Das Buch richtet sich an alle WordPress-Anfänger, die eine Präsenz im Internet erstellen wollen. Dabei bringen wir nicht nur alle technischen Fertigkeiten bei, sondern greifen auch bei Planung und Gestaltung der Website kräftig unter die Arme. Wir zeigen, wie man Texte und Bilder einpflegt, eine Navigation anlegt, die Funktionalität erweitert und bei Google & Co. punktet. Und aus jedem Kapitel verlinken wir auf Orte im Netz, wo weiter geholfen wird.

Mehr Infos und Bestellung unter http://elbnetz.com/produkt/wordpress-buch/

„Ich verstehe nicht, was noch entschleunigt werden soll“

Hans- Christian Dany

Hans-Christian Dany über den Stillstand des Kapitalismus und die Möglichkeiten eines Aufbruchs in eine unbekannte Zukunft

Das Ende des Kapitalismus wird regelmäßig vorhergesagt oder herbei geschworen. Der Autor und Künstler Hans-Christian Dany hat neue Anzeichen für das Hinauszögern des Endes der Ordnung entdeckt und plädiert in seinem neuen Buch „Schneller als die Sonne. Aus dem rasenden Stillstand in eine unbekannte Zukunft“ für einen Austritt aus der informationstechnischen Kontrollgesellschaft, in der jeder Beobachter aller anderen und ein von allen anderen Beobachteter ist.

Dany lebt in Hamburg, sucht die praktische Umsetzung seiner Literatur und will gleichwohl geordnet kommunizieren. Wir verabreden uns zum Gespräch per Postkarten. Es ist ein Versuch, an das letzte Buch von ihm „Morgen werde ich Idiot“ („In einer Utopie der Idioten sehe ich die größte Gefährdung für die kapitalistische Maschinerie“) anzuschließen. Achtsamer Konsum, Entschleunigung, Big Data – im Interview erläutert Dany, warum diese Bewegungen und Phänomene nur Reparaturmaßnahmen sind und warum wir uns von der Annahme verabschieden sollten, zu wissen, wie eine bessere Welt aussieht.

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Im europäischen Weiterreichungssystem

baumkrone

Bericht von der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien, wo Flüchtlinge auf ihre Weiterreise warten

Urlaub in den Zeiten der Flucht. Das Rumhängen fühlt sich unter der Sonne Griechenlands fühlt sich dieses Mal seltsam, vielleicht sogar falsch an. Wer will die Sorgen dieser Welt auf sich laden? Aber die Flüchtlinge landen auf den ägäischen Inseln. Meine Frau aufgewühlt vom Bild des toten Kleinkinds am Strand von Bodrum. Aktion zeigen, fällt uns ein. Gewissen beruhigen? Mag sein.

Wir kontaktieren Craig von einer Hilfsgruppe in Thessaloniki. Die Stadt im Norden Griechenlands ist eine der vielen Stationen, durch die der Strom von Flüchtlingen aus Syrien zieht. „Sie kommen morgens aus Athen an und bleiben nur kurz am Busbahnhof, um weiter nördlich die Grenze zu Mazedonien zu überqueren. Dort lagern sie oft tagelang.“ Es ist abends. Trotzdem packen wir Wasser, Kekse, Brot in den Leihwagen. Am Busbahnhof KTEL warten ein paar griechische Familien auf die Abfahrt in die Provinz, von Flüchtlingen keine Spur.

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Brewing Bad

mohnkapsel

Der technische Fortschritt und die Absurdität der Drogenverbotspolitik

In den weltweiten Untergrundlabors brodelt es. Was wäre, so fragt man sich neuerdings, wenn man auf den kosten- und zeitintensiven Rohstoffanbau verzichten könnte? Wenn man den gesamten Drogen-Produktionsprozess enorm vereinfachen könnte?

Der Grund für die Aufregung sind Schlagzeilen aus den vergangenen Wochen, die auf eine Reihe von Experimenten hinwiesen, die im renommierten Fachblatt Nature veröffentlicht wurden. Darin zeigte ein Team um John Dueber von der University of California, dass sie Hefezellen so manipulieren können, dass diese aus Zucker den Schlafmohn-Bestandteil Reticulin produzieren. Reticulin ist Vorstufe zahlreicher Opiate wie Morphium oder Codein. Vor einiger Zeit hatte Dueber bereits gezeigt, wie man aus Reticulin wiederum mit Hilfe gentechnisch veränderter Hefe Morphium herstellen kann. Man geht davon aus, dass es nur noch wenige Jahre dauern wird, bis beide Reaktionsteile in einem Hefestamm genutzt werden können.
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Coffee-Shop-Modell für den Görlitzer Park?

Hanf

In Berlin-Kreuzberg zeigen sich die Widersprüche der Drogenpolitik. Mutigere Schritte sind nötig.

In Berlin-Kreuzberg hat sich seit Längerem in und rund um den Görlitzer Park eine offene Dealer-Szene angesiedelt. Diese und der damit zusammenhängende Kundenverkehr werden von Polizei, Anwohnern und Gästen des Parks als Problem angesehen. Die Zahlen: Bis Ende Oktober 2014 führte die Polizei sage und schreibe 350 Razzien durch, es wurden über 2.200 Personen kontrolliert, rund 1.000 Platzverweise ausgesprochen, 200 Festnahmen durchgeführt, 800 Ermittlungsverfahren angestoßen – die Hälfte davon waren Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz.

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